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13./14.08.2016

100 Meilen Berlin (Mauerweglauf)

Gut 14 Tage nach meinem Finish beim Mauerweglauf 2016 kommen ich erst jetzt dazu die Erlebnisse in einem kleinen Bericht zusammenzutragen. Erfreulicher Grund ist der Umstand, dass ich am 18.8.2016 zum fünften Mal Großvater geworden bin. Der kleine Fridolin ist ein echter Berliner. Ihm widme ich diesen Lauf, damit er später erzählen kann, dass sein Opa den Mauerweg am 55. Gedenktag des Mauerbaus kurz vor seiner Geburt gelaufen ist.

Und damit nicht genug, Opa ist nämlich vom 15.-18.8.2016 mit seinem Freund Stefan 450km mit dem Rad von Potsdam nach Nieheim im Weserbergland zurückgeradelt, um dann schnell mit der Bahn nach Berlin zurückzufahren, um Fridolin zu begrüßen. Fridolin ist ein goldiger Junge, an dem alle ihre Freude haben. Angesichts dieser Umstände sind die Erinnerungen an den Mauerweglauf etwas verblasst.

Was bleibt ist die Freude, diesen Lauf gefinisht zu haben; nicht den vielen Versuchungen erlegen zu sein, den Lauf vorzeitig zu beenden. Und es gab genug dieser Situationen. Und wenn ich an jede dieser Situationen denke, freue ich mich darüber, wie stark meine Willenskraft ausgeprägt ist, ein Ziel zu verfolgen und dann auch zu erreichen. Dies lässt sich im nachhinein einfach schreiben, gibt aber bei weitem nicht die Erfahrung wieder, die sich tief einprägt und zum Garanten dafür wird, extreme Situationen zu beherrschen. Vor allem habe ich noch die vielen Momente der Angst und Sorge einfach sitzen oder liegen zu bleiben, nicht mehr aufstehen zu wollen, kleine Schritte des Weitegehens zu machen und so wieder in den Lauf zu kommen, vor Augen.

Diese Belastungen quälten mich besonders von KM 80 bis 130, als der Körper nach aufhören schrie, besonders der Magen nichts mehr aufnehmen wollte und die Strecke einfach zu lang war, um sich zu sagen: „Ist ja nicht mehr weit. Gleich ist alles vorbei!“ Erst ab KM 130 wusste ich, ich werde ankommen. Ich erinnere mich noch genau, wie diese Freude sich auf meinen Körper übertrug, wie ich diese Energie in eine flüssige Bewegung umsetzen konnte, wie ich einzelne Läufer im Dunkel der Nacht überholte. Besonders schön war der Morgen nach der langen Nacht. Die 24 Stunden waren weg; aber es ist ein wunderschönes Gefühl, das ich jedem Läufer gönne, aus der Nacht in den Tag zum Ziel zu laufen.

Der Mauerweglauf ist nicht nur Wettkampf. Er ist auch ein Gedenklauf. Ein starkes Zeichen von Läuferinnen und Läufern aller Nationen, in Erinnerung zu halten, dass es niemals mehr eine Mauer der Teilung zwischen einem Volk und unter Völkern geben darf.

Im 49. Jahr nach meinem ersten Wettkampf macht es mir immer noch Freude mich an solchen Wettkämpfen zu beteiligen und mich darin wiederzufinden und auszudrücken. Dies ist sicherlich nur ein kleiner Einblick in die vielen Erlebnisse dieses Laufes; aber ich glaube, dass ich die prägnantesten Eindrücke geschildert habe.

Jürgen Metternich

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